(Online)Workshop LITERATURKABINE

Sie können die Literaturkabine auch als Online-Veranstaltung buchen (ich ersuche um eine Buchung mindestens 4 Wochen vorab, da eine Arbeitsaufgabe vor Veranstaltungsbeginn fertiggestellt werden muss, die als Ausgangsmaterial für weitere Übungen im Workshop dient)! Anfragen per Mail an: office@mukuwi.at

 

LITERATURKABINE 

Wer Lesekompetenz sagt – der denkt seit den 2000ern an PISA. Dennoch reichen ausschließlich textbezogene Fähigkeiten (z.B. Ermitteln von Informationen, Verstehen und Interpretieren von Aussagen) nicht aus, um Lesekompetenzen umfassend zu definieren und zu fördern! Vor allem dann nicht, wenn Fragen nach der Motivation fürs Lesen mit einbezogen werden. Ein lesesozialisationsbezogenes Verständnis für die Entwicklung von Kompetenz fokussiert daher nicht ausschließlich auf textbasierte Fähigkeiten, sondern erweitert die Definition von Kompetenz und schließt ein „eigenständiges Sich-Bewegen“ im sozialen Umfeld von Text und Leser*in mit ein:

„Eigenständige LeserInnen müssen Lesemedien so aussuchen können, dass sie ihren Lesezielen und -kompetenzen entsprechen; sie müssen erhebliche Ausdauer und Engagement für eine länger andauernde Lektüreaufgabe kontinuierlich selbst aufbringen; dabei ihre Leseakte metakognitiv steuern und sich bei Problemen zu helfen wissen; sie müssen ihre Leseprozesse selbst-reguliert evaluieren und sie müssen sie schließlich kommunikativ in ihre Lebenswelt integrieren.“ (Jörgen/Rosebrock 2012 in Rieckmann 2015¹)


Inhalt

Die LeserInnen-Text-Passung umschreibt eine wesentliche Voraussetzung für den gelingenden – im Sinne eines motivierten – Leseprozess: Leserinnen und Leser bringen, zusätzlich zu ihrer unterschiedlich entwickelten Fähigkeiten, auch ihr ganz individuelles Weltwissen und ihre persönlichen Interessen zur Begegnung mit dem Text mit. Das gilt für Sachtexte ebenso, wie für Kinder- und Jugendromane. In der Literaturkabine untersuchen wir, wie Kinder – insbesondere aus nicht- und wenig-lesenden Familien – eine aktive Rolle hinsichtlich der LeserInnen-Text-Passung entwickeln können. Die Buchauswahl steht also im Zentrum. Wir untergliedern den Entscheidungsprozess für einen Buchtitel und machen uns dabei auf die Suche nach Strategien, die wir als Entscheidungshilfen vermitteln können. Darüber hinaus werden ausgewählte, theoretische Grundlagen in den Bereichen Lesesozialisation und Lesemotivation vermittelt.

Überblick über leitende Fragestellungen der Veranstaltung:

  • Kann Eigenständigkeit im Hinblick auf die Auswahl von Büchern erlernt bzw. vermittelt werden (insb. bei Kindern die in nicht- oder wenig-lesenden Familien sozialisiert sind)?
  • Kann die LeserInnen-Text-Passung entlang des Erlernens von lesebezogenen Entscheidungskompetenzen verbessert werden (und ist ein basales Wissen zu Ko-Konstruktionsprozessen den Kindern dabei dienlich)?
  • Gibt es Möglichkeiten lesebezogene Entscheidungen sozial zu organisieren / reflektieren (und ist die Peer Group als Ort des Austausches und der Anschlusskommunikation über Entscheidungen aktivierbar)?
  • Kann die Entwicklung von lesebezogenen Entscheidungskompetenz auch die Motivation beim Lesen selbst verbessern (und wirkt sich die Nachbesprechung von Entscheidungsprozessen auf Lesemotivation und Leseverhalten aus)?

Ablauf / Bezug zu Theoriefeldern / Arbeitsaufgaben

  1. Kennenlernen / Präsentation der Vorarbeit (AA1)
  2. Theorie: Sozialisation allg., Lesesozialisation, Lesemotivation, Arbeitsaufgabe zu Motivationsformen (AA2)
  3. Empirie I: LeserInnen-Text-Passung (LTP), Arbeitsaufgabe zu Zusammenhängen von LTP mit Motivation
  4. Empirie II: Welche Lesestrategien sind Entscheidungsstrategien?, Arbeitsaufgabe (AA3)
  5. Praxis: Entwicklung didaktischer Überlegungen zur Vermittlung von Entscheidungskompetenz (AA4)
  6. Abschlussreflexionen

 

Dauer: 240 Minuten (4h) mit Pausen

Kosten: EUR 260,- (bei bis zu 10 Teilnehmer/innen, nach Absprache ist eine höhere TN*-Zahl möglich)

Ort: Nach Vereinbarung / online (Zoom)

 

Viel Spaß beim Lesen wünscht,

Eric Moser

Verweise:
Jörgens, Moritz & Rosebrock, Cornelia (2011): Die Bedeutung des eigenständigen Lesens für die Ausbildung von Literalität bei schwachen LeserInnen. In Arbeitskreis Literaturdidaktik im SDD (Hrsg.): Literaturdidaktik in Zeiten der Empirie. Zwischen ästhetischer Erfahrung und Kompetenzorientierung, S. 211-234. Freiburg: Fillibach 2011.
Rieckmann Carola (2015): Grundlagen der Lesedidaktik, Band 2: „Eigenständiges Lesen“.

 

 

 

 

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