Literaturkabine für Kinder

Wenn Kinder nicht oder kaum lesen...

…dann steht das nicht sofort in Zusammenhang mit dem Leseverhalten in der Familie. Manchmal sehen Kinder ihre Eltern kaum beim Lesen, weil es diese bevorzugen z.B. vor dem Einschlafen zu lesen – wenn einmal Zeit für sich selbst ist. Das ist schade, denn sichtbar lesende Eltern prägen das Selbstkonzept von Kindern als Leserinnen und Leser in vielfacher Hinsicht und ist eine Tätigkeit im Elternhaus als „zugehörig“ etabliert, kann der Literatur im Schulunterricht gleich ein Stückchen Vertrautheit entgegengebracht werden. Tendenziell – denn es gibt natürlich etliche andere Faktoren, motivationale wie kognitive, die unsere Begegnung mit Literatur mit ausgestalten. Das Leseverhalten in der Familie stellt also immer nur einen möglichen Faktor von vielen dar, wenn es um die Frage nach den Bedingungen für die Ausprägung kindlichen Leseverhaltens geht.

Nur, wenn Kinder in der Familie keinen Zugang zu Literatur erfahren – sei es durch die Kinderliteratur vor Ort oder den gemeinsamen Besuch einer Büchereizweigstelle –  dann haben diese Kinder auch viel seltener die Möglichkeit sich für oder gegen literarische Inhalte zu entscheiden. Das kann es mit sich bringen, dass Kinder aufgrund dieser mangelnden Autonomieerfahrung große Schwierigkeiten haben eine aktive Rolle in der LeserIn-Text-Passung – also des aktiven Sich-Einbringens bei der Buchauswahl – einzunehmen. In der Betriebsamkeit der Schule obliegt es den Lehrerinnen und Lehrern den einzelnen Schülerinnen und Schülern hier auf die Sprünge zu helfen. Ein komplementäres Angebot stellt die Literaturkabine für Kinder dar.

Ist eine selbstständige Buchauswahl überhaupt wesentlich? 

Ergebnisse aus der Motivationsforschung belegen klar den Zusammenhang zwischen dem Grad an Autonomie den Kinder – gefördert durch Lehrerinnen und Lehrer – beim Lesen entwickeln und der Art und Weise wie Kinder ihr Leseerleben regulieren können. Autonomieförderung – also auch die Entwicklung der aktiven Rolle des Lesers bzw. der Leserin bei der Herstellung der Textpassung – bedeutet, dass Kinder sich selbst in ihrer Entscheidung erfahren und individuelle Perspektiven auf ihr Leseerleben entwickeln. Autonomieförderung kann so nachhaltig zur Veränderung der Lesemotivation beitragen, was mitunter auf eine  negativ ausgeprägte Erwartungshaltung gegenüber dem Leseprozess – wie sie etwa aus einer vergleichsweise noch wenig entwickelten Lesefertigkeit resultieren mag – abschwächend wirkt.

Sich entscheiden lernen lernen!

Die Schwierigkeit dabei ist, dass manche Kinder aufgrund mangelnder Vorkenntnisse nicht so recht wissen, wie sie bei der Buchauswahl vorgehen sollen, selbst wenn die Freiräume dazu gegeben sind. Doch die Buchauswahl kann man lernen lernen! Dabei gilt es Vorwissen zu aktivieren, die eigenen Interessen zu prüfen, eine realistische Selbsteinschätzung vorzunehmen, die Textsorten im und ums Buch verstehen zu lernen, gemeinsam Auswahlkriterien zu entwickeln und schließlich Strategien anzuwenden, die zum Ergebnis – dem passenden Buch – führen. Diese aktive Rolle in der LeserIn-Text-Passung zu übernehmen – das lernen die TeilnehmerInnen der Literaturkabine für Kinder. Dem Buch begegnen und dabei die individuelle Dimension die dem Lesen selbstverständlich innewohnt stärken – das ist unser Ziel.

Ein Werkzeugkasten mit Entscheidungshilfen.

In der Literaturkabine für Kinder stellen wir gemeinsam mit unseren TeilnehmerInnen den passenden Werkzeugkoffer zusammen. Hier lernen sie die Buchbestandteile und Textsorten im Buch genau kennen, Fragen an den Inhalt des Buches zu formulieren, den Text und seinen Schwierigkeitsgrad einzuschätzen, sich eigenständig Kriterien für ihre Buchauswahl zu überlegen und diese – gemeinsam mit passenden Strategien – zu formulieren. Die so angefertigten Entscheidungshilfen werden anschließend in der Praxis erprobt.

Der Workshop dauert einen halben Tag (4 Stunden) und ist bereits jetzt für den Zeitraum März-Juni 2021 online zu buchen.

Zielgruppe: 3. und 4. Klasse Volksschule + 1. und 2. Klasse Mittelschule.

(Preis nach Absprache unter Berücksichtigung der jeweiligen Fördermöglichkeiten)

Für Rückfragen stehen wir Ihnen telefonisch unter 0688/64240066 sowie per Mail an office@mukuwi.at zur Verfügung.

Eine anregende Lektüre wünscht,

Eric Moser

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